ANAXAM – Wo Forschung industrielle Anwendungen verbessert

ANAXAM steht für Analytics with Neutrons And X-rays for Advanced Manufacturing und ist ein international anerkanntes Wissens- und Technologietransferzentrum mit Sitz in Villigen (Kanton Aargau, Schweiz). Ziel von ANAXAM ist es, moderne, hochspezialisierte Methoden der Materialanalytik – die ursprünglich in der Grundlagenforschung entwickelt wurden – für die Schweizer Industrie nutzbar zu machen, damit Unternehmen tiefere Einblicke in ihre Materialien und Prozesse gewinnen und Innovationen schneller realisieren können. Die angebotenen Dienstleistungen umfassen zerstörungsfreie Bildgebung, Diffraktion, Kleinwinkelstreuung und Spektroskopie mittels Neutronen- und Synchrotronstrahlung (Röntgenstrahlen), wodurch neue Dimensionen der Materialcharakterisierung eröffnet werden. 

Christian Grünzweig und Sin Ting Cynthia Chang

Christian Grünzweig und Sin Ting Cynthia Chang waren für ANAXAM Projektpartner bei verschiedenen Nano-Argovia-Projekten.

Geschichte und Ursprung
Gegründet wurde ANAXAM als gemeinnützige, nicht gewinnorientierte Organisation durch vier starke Partner: das Paul Scherrer Institut (PSI), die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), das Swiss Nanoscience Institute (SNI) der Universität Basel und den Kanton Aargau. Diese Partnerschaft basiert auf dem Prinzip der Public-Private-Partnership und kombiniert wissenschaftliche Exzellenz mit wirtschaftlicher Praxis. Die Start- und Pilotphase 2019–2020 wurde vom Dachverband Advanced Manufacturing Technology Transfer Center Alliance (AM-TTC) genehmigt und unterstützt, wodurch die Eröffnung und der Betrieb des Zentrums am 1. Dezember 2019 möglich wurden. Die AM-TTC sind eine Initiative des Bundes im Rahmen des Aktionsplans Digitalisierung zur Förderung von Innovationen und zur Beschleunigung des Wissenstransfers. Für die Aufbauphase 2021–2024 reichte ANAXAM ein Gesuch beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) ein und wurde daraufhin offiziell als Forschungseinrichtung von nationaler Bedeutung anerkannt.

Mission und Leistungsspektrum
ANAXAM versteht sich als Brücke zwischen der Forschung und der industriellen Anwendung. Viele analytische Methoden, die in der Grundlagenforschung angewandt werden – vor allem an Grossforschungsanlagen wie der Swiss Light Source (SLS) oder der Swiss Spallation Neutron Source (SINQ) des PSI – können dank ANAXAM nun in industriellen Kontexten eingesetzt werden. Unternehmen aus verschiedensten Branchen, darunter Automobilindustrie, Medizintechnik-, Energie-, Pharma-, Metall- und Rohstoffindustrie, profitieren von diesen einzigartigen Analysefähigkeiten, die weit über klassische Laboranalysen hinausgehen.

ANAXAM bietet neben der rein technischen Analyse auch fachliche Beratung, massgeschneiderte analytische Lösungen sowie Wissenstransfer in Form von Workshops, Seminaren und Schulungen an. Damit trägt das Zentrum nicht nur zur Lösung konkreter Fragestellungen bei, sondern stärkt auch das analytische Know-how in Unternehmen. 

Kunden und Projekte
Das Dienstleistungsangebot von ANAXAM erstreckt sich über ein breites Spektrum industrieller Herausforderungen. Beispiele aktueller Kundenprojekte zeigen die Vielseitigkeit der Analytik: von der Untersuchung erneuerbarer Metall-Energieträger über hochauflösende Untersuchung elektrischer Steckverbinder bis hin zur Analyse pharmazeutischer Produkte. Diese Projekte verdeutlichen, wie ANAXAM durch seine Methoden tiefere Einsichten in Materialien und Prozesse ermöglicht, die für Innovationen und Produktoptimierungen entscheidend sind. 

Titan-Implantat

Im Rahmen des Nano-Argovia-Projekts Promucola mit Beteiligung von ANAXAM haben die Forschenden eine neue Beschichtung für Titan-Implantate entwickelt.

Gesellschaftliche und strukturelle Bedeutung
Als national bedeutendes Technologiezentrum wird ANAXAM in der Schweiz sowohl politisch als auch finanziell stark unterstützt. Die Organisation fungiert als zentrale Plattform, um die Forschungsergebnisse aus der akademischen Welt für die Wirtschaft nutzbar zu machen und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandorts Schweiz zu stärken. Dieser Wissenstransfer schafft nicht nur Mehrwert für einzelne Unternehmen, sondern stärkt gesamtheitlich die Innovationskraft des Schweizer Wirtschaftsstandorts.

Bundesförderung für die zweite Phase 2025–2028
Ein besonders wichtiger Meilenstein in der Entwicklung von ANAXAM war die Förderzusage des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) für den Zeitraum 2025 bis 2028. Im Rahmen der Bundesbeiträge an Forschungseinrichtungen von nationaler Bedeutung hat der WBF entschieden, ANAXAM in dieser Förderperiode finanziell zu unterstützen. Solche Bundesbeiträge basieren auf der Fachbeurteilung und auf den vom Parlament beschlossenen finanziellen Rahmenbedingungen der Forschungs- und Innovationspolitik für 2025–2028. Für ANAXAM bedeutete die Zusage des Bundes eine herausragende Anerkennung der geleisteten Arbeit: Sie bestätigte offiziell, dass der Verein in der ersten Förderphase seine ambitionierten Ziele vollumfänglich erreicht hat und einen nachweislichen Mehrwert bei der Lösung komplexer industrieller Fragestellungen schafft.

Diese Zusage der Bundesmittel war eine wichtige Voraussetzung dafür, dass auch die weiteren Finanzierungszusagen der Trägermitglieder – des Kantons Aargau, des PSI, der FHNW und des Swiss Nanoscience Institute SNI – wirksam werden konnten. Durch diese mehrschichtige Finanzierung ist ANAXAM gut aufgestellt, um seine Aktivitäten in der Förderperiode weiter auszubauen und seine Rolle als zentrale Schnittstelle zwischen Forschung und Industrie nachhaltig zu festigen. 

Ausblick
Seit seiner Gründung in 2019 konnte ANAXAM seine Präsenz und Bekanntheit weit ausbauen. Der Verein hat sich als zuverlässiger Partner etabliert, der Industriekunden ermöglicht, von hochmoderner Materialanalytik zu profitieren.

Mit einer klaren strategischen Vision und einer starken industriellen und wissenschaftlichen Vernetzung blickt ANAXAM in eine Zukunft, in der Materialanalytik einen noch zentraleren Platz in der Produkt- und Prozessinnovation einnehmen wird. ANAXAM wird weiterhin die Grenzen der Materialanalyse verschieben, Industrien befähigen, ihre Herausforderungen analytisch zu meistern, und so entscheidend zur Stärkung der Innovationslandschaft der Schweiz beitragen.

Beteiligung des SNI
Das SNI ist durch die Geschäftsführerin Claudia Wirth im Vorstand des Vereins vertreten. Das Nano Imaging Lab des SNI beteiligt sich teilweise an der praktischen Umsetzung von Aufgaben, die detaillierte Bildgebung und Analyse von Oberflächen betreffen. Zudem können Projekte, die auf modernen Fertigungstechnologien basieren, im Rahmen des Programms Nano-Argovia gefördert werden.

 «ANAXAM steht nicht nur als Dienstleister bereit, sondern ist ein Garant für Innovation in der Analytik.»

Dr. Christian Grünzweig, Geschäftsführer von ANAXAM

 

Weitere Informationen:

ANAXAM-Webseite
Nano-Argovia-Programm

Martino Poggio
"ANAXAM ist eine weitere, zukunftsweisende Plattform für interdisziplinäre Zusammenarbeit, die eine Brücke zwischen Forschung und Industrie schlägt. Wir sind froh, unsere Expertise und Infrastruktur in diese öffentlich-private Partnerschaft einbringen zu können."

Prof. Dr. Martino Poggio, SNI-Direktor

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